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  • Laura Kristin Fink

Glaubenssätze & das Nervensystem


„Ich bin auf mich alleine gestellt“ - Mit diesem schmerzhaften Glaubenssatz habe ich mich den Großteil meines Lebens selbst durchgekämpft. Die Welt erschien mir unfair & gefährlich zu sein. Ich bewegte mich dementsprechend skeptisch, vorsichtig und beschwert durch sie.


Dass diese Annahmen alle nicht stimmen, sondern auf mein dysreguliertes Nervensystem zurückgingen, konnte ich dankenswerterweise irgendwann erkennen und seitdem haufenweise korrigierende Erfahrungen sammeln.



Unser Nervensystem-Zustand bestimmt über unsere Glaubenssätze


Denn was wir über uns und die Welt glauben, ist weniger eine Frage des Charakter als Ausdruck unserer jeweiligen Nervensystem-Zustände.


Lass uns dafür doch einmal schauen, welche Nervensystem-Zustände es gibt und welche Glaubenssätze damit jeweils verstrickt sein können.



Ein Nervensystem in Balance


Bewegen wir uns aus Sicht des Nervensystems in Balance durchs Leben, dann erfahren wir  uns als selbstwirksam, sind in Vertrauen und Zuversicht unterwegs. Hier kann uns nichts so leicht schocken, wir fühlen uns insgesamt wohl und wissen uns zu regulieren, wenn doch mal übermäßig viel Stress oder Langeweile aufkommt. Wir erleben die Welt als einen spannenden & sicheren Ort, den wir explorieren können, an dem wir uns ausdrücken und ausprobieren können. Wir bewegen uns souverän durchs Leben und können mit dem Fluss des Lebens fließen.



Glaubenssätze eines Nervensystems in Übererregung


Anders sieht das Ganze aus, wenn wir uns im Bereich der sogenannten Übererregung (dir vielleicht auch als Fight- oder Flight-Modus bekannt) befinden. Gerade dann, wenn wir uns chronisch in solchen Extrem-Zuständen des Nervensystems aufhalten, färbt dies unseren Blick auf die Welt enorm.


Im Kampf-Modus des Nervensystems könnten also z.B. Glaubenssätze aufkommen wie „Ich muss in erster Linie nach mir schauen“, „Ich muss mich durchbeißen“, „Die Welt ist ein unfairer / unguter Ort“, „Ich muss ganz viel dafür machen, dass es besser wird / nicht so bleibt“, und ähnliches. Wir erleben uns weniger als selbstwirksam, und eher als gezwungen oder getrieben, viel Zeit und Energie für unser Wohl und das Wohl unserer Mitmenschen aufzubringen. Wenn wir nicht handeln, so kommt es uns vor, dann macht es niemand. Unser Bild der Welt ist gezeichnet davon, dass wir sie als ungerecht erleben und wir viel Energie mobilisieren müssen um Veränderung zu erzeugen.


Im Flucht-Modus des Nervensystems kann es in Sachen Glaubenssätze durchaus zu Überschneidungen kommen. Auch hier wird die Welt weniger als sicherer Ort erlebt, sondern eher als ein unguter Ort, durch den man sich mit Vorsicht navigieren muss. Glaubenssätze wie „Traue niemandem“ oder „Ich bin auf mich alleine gestellt“ können auch hier eine große Rolle spielen.



Glaubenssätze eines Nervensystems in Untererregung


Richten wir den Blick auf den Freeze-Modus der sogenannten Untererregung des Nervensystems, dann gilt auch hier als Gemeinsamkeit, dass die Welt als unsicher erlebt wird. Während wir es bei Zuständen des Fight-or-Flight mit der Mobilisierung von viel Energie zu tun haben („Ich muss kämpfen / Ich muss fliehen“), ist die Unterregung maßgeblich von einem Gefühl des Aufgebens gezeichnet. Entsprechend düster wird der Blick auf die Welt und uns selbst. Glaubenssätze könnten hier sein „Ich kann eh nichts ausrichten“ oder „Es macht eh keinen Unterschied“.



Eine Frau steht barfuß am Strand und blickt in den Sonnenuntergang, vor ihr eine gewaltige Insel

Chronisch in solchen (eigentlich nur für den Extremfall konzipierten) Nervensystem-Zuständen der Unter- und Übererregung festzuhängen, führt verständlicherweise dazu, dass wir beginnen uns und die Welt anders wahrzunehmen. Diese Erfahrungen und Prägungen festigen sich im Laufe der Zeit mehr und mehr zu ganzen Glaubenssystemen - tiefen Überzeugungen, die eben nicht nur Sätze in unserem Verstand darstellen, sondern verkörperte, erlebbare Erfahrungen sind.


Um aus diesem „Feststecken“ herauszutreten und diesen verhärteten Mustern zu begegnen, bedarf es zumeist einer kleinschrittigen und feinen Begleitung. Hierdurch kann das Nervensystem Stück für Stück zu mehr Regulation eingeladen werden, und Glaubenssätze im Laufe der Zeit fast schon nebenbei von uns abfallen. Sie fußten nämlich nie auf der Realität, sondern waren im Grunde nur Symptom unserer Nervensystem-Zustände.


Wer die Arbeit mit Glaubenssätzen also nicht nur auf Verstandes-Ebene angeht, sondern sich auf Körperebene der Regulation des Nervensystems widmet, kann ganzheitlichere und substanziellere Veränderung einladen und ermöglichen.

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