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  • Laura Kristin Fink

Kontrollfreak und Planungsjunkie. Was dein Verhalten über dein Nervensystem aussagen kann



Hast du auch so viel Freude am Planen? Egal ob beruflich oder privat, ich ging schon immer darin auf, Dinge zu managen. Wie gerne ich mir Listen anlege und sie pflege. Heute nutze ich das ganz bewusst für mich, vor nicht allzu langer Zeit jedoch konnte ich kaum anders.



Zwei Personen im Wald, etwasSchnee auf dem Waldboden, die Sonne scheint zwischen den Tannen hindurch


Besonders eindrücklich fiel mir dieses Phänomen auf, als ich mit einem guten Freund zum Wandern verabredet war. Mich hatte schon länger die Leidenschaft fürs Wandern gepackt und ich hatte meine Region schon ganz gut zu Fuß erschlossen - natürlich nicht ohne penible Buchführung zu möglichen und bereits begangenen Routen. Schließlich hatte ich so viel Spaß daran!


Wenn mich die Lust packte loszuwandern, dann checkte ich meine Liste und wählte daraus die beste Option für den Tag. Oft hielt ich auch den Routenverlauf vorab für mich fest und wusste um Anstiege, Schutzhütten und Rastmöglichkeiten Bescheid bevor die Tour für mich losging.


Ganz anders mein guter Freund. Wenn ihn die Wanderslust packte, dann stieg er in die nächste S-Bahn, die ihn aus der Stadt führte und stapfte einfach drauf los. Unterschiedlicher hätten unsere Zugänge also kaum sein können.


Ich lies mich also eines Tages auf das „Abenteuer“ ein, mich mit ihm in einer schönen Ecke zu treffen und dann spontan unseren Weg zu gestalten. Seine Gelassenheit darin, einfach drauf los zu laufen, und sicher schon irgendwie wieder zurück zu finden, wirkte ansteckend auf mich, und wir hatten einen schönen und entspannten Tag im verschneiten Wald.



Ein System sucht Sicherheit


Erst später als ich mir Wissen über das Nervensystem aneignete und auch mit der Nervensystem-Regulation begann, fiel so richtig der Groschen: Mein System versuchte über das Planen und Kontrollieren externer Faktoren Sicherheit für mich zu generieren. Ich war baff. Mein Verhalten fühlte sich damals ganz natürlich und schlüssig an, nicht wie eine notwendige Sicherheitsvorkehrung. Im Gegenteil, ich war noch vor eben jener Erkenntnis der Überzeugung gewesen, dass ich die Planungen nur aus Spaß vornehme, so selbstverständlich waren sie für mich.


Ich deckte für mich zunehmend auch in anderen Alltagssituationen auf, wie ich bislang kontrollierte und plante was das Zeug hielt, und mir das stets wie das Normalste der Welt vorkam. Gleichzeitig nahm durch die Regulation meines Nervensystems dieses Bedürfnis immer weiter ab.



Raus aus der Komfortzone


Ich nutzte mein Wissen darüber nun gezielt um meine Komfortzone zu erweitern. Bewusst konnte ich mich in Situationen begeben, die mir ein gewisses Maß an Offenheit abverlangten. Ich fühlte mich durch die Regulationspraxis insgesamt sicherer und konnte mich selbst so mehr aus meiner Reserve locken. Spontanität und Flexibilität erhielten zum ersten Mal so richtig Einzug in mein Leben. Was früher undenkbar war, begann mich plötzlich zu faszinieren: mal alleine reisen, schauen wohin es mich trägt. Ich kündigte tatsächlich meine Wohnung ohne konkreten Plan für danach.


Zugegeben, die Pandemie unterstützte diese ganzen Prozesse für mich zusätzlich. Als selbstständige Musikerin sah ich mich ab Frühjahr 2020 maximaler beruflicher Unsicherheit gegenüber gestellt. An Planen war schlichtweg nicht mehr zu denken. Meine „Go-To“-Strategie war nicht mehr umsetzbar. Was mich eine ganze Weile frustrierte und umtrieb konnte ich irgendwann glücklicherweise transformieren. Ich begann nicht länger mit der Realität zu kämpfen, sondern sie zu akzeptieren.



Entspannte Präsenz statt Hang zur Kontrolle


Heute kann ich auch unklareren Ereignissen entspannt entgegensehen. Weil ich mich in Vertrauen statt in Ängstlichkeit bewege, in Sicherheit statt Unsicherheit. Und wenn ich mich doch mal kurz dabei erwische etwas bis zum Ende durchplanen zu wollen, so kann ich erkennen, dass es mir diesbezüglich vermutlich noch an Sicherheit fehlt und mir darin in Wohlwollen und Mitgefühl begegnen.


Wenn ich heute wandern gehe, erfreue ich mich übrigens immer noch an meinen notierten Routen-Ideen. Aber ich brauche sie eben nicht mehr, schon gar nicht im Detail. Es macht mir heute viel mehr Freude eine Strecke selbst zu entdecken, mich hier und da auch überraschen zu lassen. Dies ist Teil meiner Komfortzone geworden und ich bin wahnsinnig stolz über diese Entwicklung.


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