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  • Laura Kristin Fink

Weshalb Loslassen immer erst mal unbequem ist


Es klingt fast zu schön um wahr zu sein: wir können endlich vergeben, uns selbst und anderen, leben dadurch befreiter, leichter, präsenter, fröhlicher und halten endlich nicht mehr fest an Vergangenem. Der alte Ballast darf hinter uns gelassen werden, wir brauchen ihn nicht weiter tragen. Wir können nun abschließend aus den Erfahrungen lernen und dann weitergehen. Ein befreiender Zustand, der Realität für wirklich jede Person werden kann. Und doch ist der Weg dorthin mitunter holprig und unbequem. Weshalb eigentlich?



Welche Kapazitäten und Räume hast du?


Wir alle erleben im Laufe unseres Lebens Dinge, die unsere Kapazitäten zu dem jeweiligen Zeitpunkt übersteigen. Dabei rede ich nicht nur von im klassischen Sinne traumatischen Erfahrungen, sondern einschneidenden Erlebnissen und Umbrüchen jeder Art, die in der Lage sind uns nachhaltig zu prägen.


Wir geben uns in der Verarbeitung dessen oftmals nicht die nötige Zeit oder haben gar verlernt unsere Empfindungen im ersten Schritt überhaupt ernst zu nehmen. Vielleicht haben wir ein Umfeld, an das wir uns im jeweiligen Moment auch nicht wirklich wenden können, oder das gleichermaßen überfordert ist. Gut möglich, dass wir auch den Bezug zu unserem Körper und unseren Emotionen schon so weit verloren haben, dass wir im Moment gar nicht wirklich spüren können, was wir gerade eigentlich für uns brauchen. Vielleicht stellt sich bei uns aber auch bald der Eindruck ein, wir hätten das Thema jetzt hinreichend verdaut und unser Fokus verschiebt sich wieder mehr und mehr in Richtung unseres Alltags.



Wenn Verarbeitung nicht ausreichend gelingt


Was jedoch noch nicht vollständig „durch uns durchlaufen“ konnte, hängt nun im wahrsten Sinne des Wortes in uns fest. Bald schon können wir in diesem Fall beobachten, dass das Thema weiter ins uns schlummert, oft sogar jahre- oder jahrzehntelang.


Es fällt uns schwer abzuschalten, vielleicht liegen wir nachts wach, fühlen uns unruhig, getriggert und zurückerinnert, reagieren dementsprechend sensibel in manchen Momenten, erleben uns als zu wenig präsent und irgendwie noch von der Vergangenheit geplagt.


Wir sind in dem Thema nicht mehr offen, neugierig und voller Lebensfreude, sondern noch immer verletzt, voreingenommen und belastet. Alle neuen Erfahrungen auf dem Gebiet werden stets eingefärbt sein im fahlen Anstrich der Vergangenheit, so sehr wir es uns vielleicht auch anders wünschen und vornehmen.


Wahrscheinlich lenken wir uns von all dem bestmöglich ab oder gestehen es uns nicht hinreichend ein. Oft schieben wir die Verantwortung für unsere Situation auch auf andere und halten uns so unterbewusst in einer vermeintlichen Ohnmacht gefangen.


Manchmal gelingt es uns jedoch auch in unsere Kraft zu kommen, unseren Leidensdruck umfassend anzuerkennen und wir beginnen uns dafür zu öffnen, dass wirklich tiefgreifende Veränderung möglich ist. Der erste und vielleicht schwierigste Schritt in Richtung Loslassen ist getan!



Verarbeitung nachholen - in einem regulierten Nervensystem


Für die nächsten Schritte ist die Arbeit am Nervensystem empfehlenswert. Denn Verarbeitung geschieht nunmal nicht nur auf Verstandesebene im Kopf, sondern muss unseren Körper als Ganzes einbeziehen. Wir können uns noch so oft gedanklich sagen „Das Thema ist doch Schnee von gestern!“, wenn es noch Stress in unserem Nervensystem hervorruft und daher immer wieder bei uns anklopft um sich endlich zeigen und lösen zu dürfen.


Damit es sich also endlich zeigen darf und letztlich verändern und lösen kann, ist ein sicherer Rahmen unabdingbar, der es ermöglicht dem Thema den Raum zu geben, der uns damit auf eigene Faust bislang nicht ausreichend möglich war. Wenn wir uns liebevoll in Begleitung unseren Themen öffnen, erleichtert uns das den Prozess des Loslassens ungemein. Ein reguliertes Nervensystem ermöglicht uns überdies einen insgesamt besseren Umgang mit stressigen Situationen und ist somit themenübergreifend eine Bereicherung für unseren Alltag.



Veränderung möglich machen


Unbequem ist nach meiner Praxis somit vor allem zunächst der erste Schritt: anzuerkennen, dass man Themen mit sich rumschleppt, für die man stattdessen auch lernen kann Verantwortung zu übernehmen. So ungemütlich die Erkenntnis wirklich ist - egal was dir widerfahren ist, du bist letzten Endes die Person, die das Ganze durch den Rest ihres Lebens schleppt. Die Erfahrung selbst ist bereits vergangen, aber du hältst sie am Leben und in deiner Gegenwart.


Zu begreifen, dass diese Gegenwart nicht so bleiben muss, sondern Veränderung jederzeit möglich ist, und dadurch so viel mehr Lebensqualität erreichbar wird, ist der nächste Schritt. Sich dann zu entscheiden, sich für diese Themen auch wirklich zu öffnen, die man mitunter jahrelang weit umschifft hat, verlangt Mut, ist dann aber auch fast schon die logische Konsequenz aus dem Eingeständnis.



Eine Person mit langem Haar und roter Regenjacke breitet am Meer ihre Arme aus und blickt in Richtung Sonnenuntergang


Mit dieser Bereitschaft und Eigenverantwortung, sowie dem richtigen Support an deiner Seite wirst du auf deinem Weg unfassbar wachsen und endlich mehr Leichtigkeit in dein Leben einladen können.


Lass los was dich zurück hält. Ich wünsche es dir.

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