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  • Laura Kristin Fink

Loslassen lernen - nachhaltige Veränderung ist möglich!



Sicher bist du schon einmal folgender einleuchtender Metapher begegnet.


Wir alle laufen durch unser Leben, mit einem Rucksack bestückt, die Eindrücke um uns herum ziehen uns in ihren Bann. Im Verlauf unserer Wanderung geraten wir jedoch unweigerlich an Hindernisse. Weil wir oft nicht die nötigen Tools und Ressourcen haben um die Hindernisse nachhaltig zu bewältigen und aus ihnen direkt zu lernen, enden wir häufig damit, dass wir diese metaphorischen „Steine im Weg“ stattdessen unterbewusst in unseren Rucksack packen um den Weg wieder frei zu machen und weiterzugehen.


Wie sagt man so schön auf Deutsch? „Das läppert sich!“ Wir bestreiten nun also unseren Weg mit Ballast, sammeln immer mehr Gewicht in unserem Gepäck an und ächzen unter der Last. Das Leben kommt uns schwer vor, anstrengend, unfair, früher irgendwie besser. Wir haben keinen Sinn mehr für die Schönheit, die uns umgibt. Unser Kopf dreht sich nur noch darum wie leidvoll dieser Pfad doch ist, ohne zu begreifen, dass wir diejenigen waren, die ihn unbeabsichtigt so schwer haben werden lassen.


Die gute Nachricht: wir sind auch diejenigen, die diesen Prozess wieder rückgängig machen können. Niemand ist dazu verdammt mit diesem Gewicht weiter zu wandern. Wie also kann das aussehen?



Eine Person wandert mit Rucksack und Cappie bestückt durch ein grünes Tal, sie ist von hinten zu sehen


Bedingungen für erfolgreiches Loslassen


Klar, wir müssen erkennen, dass nicht der Weg „Schuld“ hat an der erlebten Schwere, oder gar das Wetter oder die Anderen um uns herum. Es gilt zu begreifen, dass der Grund für unsere fehlende Leichtigkeit eben nicht im Außen liegt, sondern in uns. Auch wenn wir nie schlechte Absichten hatten und immer unser Bestes gaben, jetzt können wir erkennen welchen selbstverschuldeten Ballast wir trotzdem noch mit uns herumtragen und uns ihm entledigen. Dazu kippen wir einfach unseren imaginären Rucksack am Wegesrand aus und fertig. Oder doch nicht?


Ganz so einfach ist es nicht. Viele Leute verstehen Loslassen aber in der Tat etwas zu knapp - „Etwas ist mir eigentlich unlieb und unangenehm, ich würde mich gerne davon lossagen und es zurücklassen“. Dieser Versuch wird dann auf mentaler Ebene immer wieder unternommen, kann aber nicht zum gewünschten Ergebnis führen.



Dein Körper als Schlüssel für Veränderung


Wir können uns noch so häufig rational mit der Vergangenheit befassen - wenn wir unseren Körper und unser Nervensystem nicht einbeziehen, wird sich keine nachhaltige Veränderung einstellen können. Erst wenn wir die emotionalen Blockaden auch auf körperlicher Ebene betrachten und das Nervensystem durch Regulation langfristig in mehr Sicherheit bewegen, hat wirkliche Transformation eine Chance. Alles andere wird auf dein Nervensystem sogar noch zusätzlichen Stress ausüben, ganz einfach dadurch, weil du dich gegen die erlebte Realität sträubst und Teile von dir weiter abspalten willst. Ein Widerspruch, der von deinem Körper sehr wohl wahrgenommen wird. Es ist also nicht damit getan, die Erlebnisse einfach rational durchzuarbeiten, in der Hoffnung, sie dann schon loszuwerden.



Loslassen nachhaltig betrachtet


Kehren wir noch einmal zurück zur Rucksack-Metapher. Nehmen wir an, wir haben erkannt, dass wir diesen Rucksack tragen, wir darin Ballast angehäuft haben, der uns das Weitergehen permanent erschwert, und dass wir auch diejenigen sind, die sich entscheiden können, in diesen Rucksack a) kein weiteres Gewicht mehr einzufüllen und b) das bestehende Gewicht zu entnehmen. Wie würden wir dann vorgehen?


Sicherlich kurz inne halten, den Rucksack öffnen und den ersten Stein herausnehmen. Wir würden ihn betrachten, ihn in die Hand nehmen. Vielleicht können wir sogar Schönheit in ihm erkennen, möglicherweise können wir sogar Dankbarkeit erleben dafür, dass wir ihm so nahe kommen konnten. Schließlich ist dieser Stein einmalig so wie er ist und niemand wird je die selbe Erfahrung mit ihm machen. Wir können uns bewusst werden, dass er kein Hindernis für uns sein wollte, sondern der Lauf der Dinge ihn uns vor die Füße gerollt hat. Wir haben die Chance zu erkennen, dass wir diejenigen waren, die ihn bewertet und auch aufgesammelt haben. Mit Liebe und Dankbarkeit könnte es uns gelingen, ihn am Wegesrand abzulegen. Und dann könnten wir weiterziehen, ohne ihn.


Loslassen bedeutet also erstmal das genaue Gegenteil von Loswerden. Kein Abwenden, sondern ein Zuwenden. Um ein Ereignis wirklich nachhaltig loslassen zu können und die Macht, die es noch über uns hat endlich freizusetzen, ist ein Zuwenden und Öffnen unabdingbar. Nur wenn wir tief schauen können und uns erlauben das Erlebte in unserer Gegenwart wirklich liebevoll anzunehmen, haben wir eine Chance auf Transformation. Die emotionale Blockade darf sich dann wandeln und ganz viel neue Energie freisetzen. Leichtigkeit erhält Einzug, Stein für Stein, Thema für Thema. Dankbarkeit erfüllt deinen Pfad. Und wie du sicherlich schon gehört hast, ist Dankbarkeit der Weg zum Glücklichsein.


In Wahrheit haben wir es beim Loslassen in diesem Sinne gar nicht mit einem Zurücklassen von etwas zu tun, sondern vielmehr einer Integration von etwas. Das Erlebte wird nicht aus deiner Biographie gestrichen, du nimmst ihm nur die Macht, die es noch über dich hat.

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