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  • Laura Kristin Fink

Wann Affirmationen nicht helfen

Und wie du stattdessen nachhaltige Transformation erzielen kannst


Affirmationen sind in aller Munde. Mit Hilfe dieser positiven Sätze, die man sich regelmäßig anhört oder immer wieder selbst in Gedanken sagt, sollen mehr Euphorie, Erfolg und Gesundheit ins Leben einziehen.


„Heute bin ich voll Energie und Freude“, „Ich entscheide mich glücklich zu sein“, bis hin zu „Ich bin Millionär“ - der Vorstellung sind hier keine Limits gesetzt. Ganz im Gegenteil, denn Idee des Ganzen ist es, dass sich diese neuen Glaubenssätze festigen und dann auch manifestieren. Wenn ich mir lang genug sage, dass ich glücklich bin, so wird es irgendwann meine Realität?


Unter manchen Umständen ließe sich mit dieser Vorstellung bestimmt noch mitgehen. Arbeiten wir aus einem regulierten Nervensystem heraus an unseren Glaubenssätzen, so kann das durchaus unsere Lebensqualität verbessern.


Doch oft genug ist genau dies nicht der Fall. Schließlich nutzen wir Affirmationen ja besonders um unser noch schlummerndes Potential zu wecken oder unseren wunden Punkten zu begegnen.



Wann Affirmationen nicht helfen


Nehmen wir z.B. einmal an wir haben uns für die Arbeit mit erster Affirmation entschieden: „Heute bin ich voll Energie und Freude“. Vielleicht steckt dahinter der Wunsch unsere Stimmung insgesamt hochzuschrauben, mehr leisten zu können und andere mit unserer Kraft anzustecken. Wir wünschen uns weniger Launen, Betrübtheit und Kraftlosigkeit in unserem Alltag und starten daher mit Motivation in die Anwendung der Affirmation.


Nur eine Frage der Zeit, eines Morgens werden wir uns so gar nicht kraftvoll und froh fühlen. Vielleicht haben wir schlecht geträumt, etwas sorgt uns oder wir fühlen uns einfach eher „so lala“ als zum Bäume ausreißen. Wenn wir diese physiologischen, emotionalen Tatsachen übergehen und uns stattdessen einreden, voll guter Laune und Tatendrang zu sein, löst dies in unserem Körpersystem einen Widerspruch aus. Unsere verkörperte Realität stimmt nicht überein mit unserer Ratio.


Selbstverständlich, die Macht der Gedanken ist nicht zu unterschätzen. Diesen beschriebenen Widerspruch jedoch wird in jedem Falle unser Körper, unser Nervensystem für sich beanspruchen. Er hat Vorfahrt vor unseren kognitiven Überlegungen, schließlich sichert er unser direktes Überleben. Wenn wir also gerade z.B. Trauer erleben, dann lässt sich diese nicht einfach wegwischen indem wir unsere entsprechende Affirmation darüberlegen.



Widersprüche bedeuten Stress für jedes Nervensystem


Ein Model steht inmitten eines Sees auf einem Stein und hält ein Stück brennendes Papier in die Luft

Fataler noch, eben genannter Widerspruch in unserem Körper sorgt für zusätzlichen Stress. D.h. wir haben in dem Moment nicht nur den Stress der jeweiligen unangenehmen Emotion zu tragen, sondern zusätzlich noch den Stress des Widerspruches, den wir selbst herbeigeführt haben. Unser eigentliches Ziel - klasse Stimmung, unbändige Energie - rückt nun in immer weitere Ferne.


Möchtest du Affirmationen für dein persönliches Wachstum nutzen, so wäre es deshalb von größter Wichtigkeit, dass du dies nervensystemfreundlich tust. Dafür solltest du dein Nervensystem gut kennen und wissen, wann ein geeigneter Zeitpunkt für die Arbeit mit Affirmationen ist, und wann nicht. Zudem sollten deine Affirmationen von dir wirklich verkörpert werden, statt nur im Kopf herum zu kreisen.



Deine nervensystemfreundliche Alternative zu Affirmationen


Eine alternative Praxis für weitaus mehr Lebensqualität liegt meiner Ansicht nach aber darin, schlichtweg für das was ist, Kapazitäten zu bilden. Sprich, das Ziel von ständiger Energie und Freude in diesem Fall einfach ziehen zu lassen, und sich stattdessen stets nur dem zu widmen, was sich gerade zeigt. Bin ich gerade müde? Begeistert? Unruhig? Erfüllt? All dies zu sehen, anzuerkennen, wirklich zu akzeptieren und auch wieder ziehen zu lassen, wird nachhaltig zu mehr Balance und Ausgeglichenheit, Souveränität und Selbstkenntnis führen als irgendeine Affirmation es auf dem kurzen Wege suggeriert.


Sich selbst konstant mit so viel Verständnis und Wohlwollen zu begegnen, ist aufwendiger als das Abspulen von erstrebenswerten Sätzen, aber es ermöglicht auch eine Tiefe und Verbundenheit zu sich selbst, die auf anderem Wege unmöglich erreicht werden kann.

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