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  • Laura Kristin Fink

Warum Sein oft mehr bewirkt als Tun


„Ich mache schon so viel dafür, dass es mir besser geht“


Oft höre ich einen solchen Satz, ob in Erstgesprächen oder in meinem Umfeld. Und klar, manchmal tappe auch ich selbst in diese Falle. Wir glauben viel zu häufig, dass es am Tun liegt, das den wahren Unterschied für uns macht. Wenn wir es nur schaffen würden häufiger zu meditieren / an die frische Luft zu gehen / gesünder zu essen, etc., dann würde es uns besser gehen. Aber ist das wirklich so?


Was ich hier liebevoll als „Falle“ bezeichnen will, soll lediglich andeuten, dass wir hierbei im Grunde alten, immer gleichen Mustern aufsitzen statt wirklich Transformation zu ermöglichen. Es geht in unserer Gesellschaft nunmal vielmehr ums Tun als ums Sein. Schnell nehmen wir daher den Glauben an, dass Tun die Antwort auf alles ist, und wir auch stets in der Verantwortung sind zu Tun.



Zwei schlanke weiße Frauenbeine sind entspannt nach oben an eine türkisblaue Wand gelehnt

Nehmen wir mal an wir befinden uns gerade in einer Phase, in der wir uns nicht unbedingt blendend fühlen. Das kann einfach ein Tag sein, der nicht zufriedenstellend läuft, oder auch eine längere Zeit unter größerer Belastung. Vielleicht fühlen wir uns hier unzufrieden, gestresst, besorgt, mürrisch. Wir können nicht so auftreten wie wir es gerne tun würden. Unsere Kapazitäten scheinen ziemlich ausgeschöpft.


Oft glauben wir dann, wir müssten etwas an unseren Zuständen verändern. Z.B. wünschen wir uns statt Anspannung Entspannung und beginnen dafür eine Runde Yoga, Meditation, oder lassen uns ein Bad ein. Je nachdem wo wir uns zu dem Zeitpunkt in unserem Stresstoleranzfenster bewegen, können das durchaus nährende Ressourcen für uns sein, die uns zurück in mehr Balance bringen und in dem Moment einen positiven Einfluss auf uns haben. Manchmal kann aber auch genau das Gegenteil auftreten und unsere Intervention erhöht unseren Stress noch zusätzlich.



Wenn wir uns Ruhe und Entschleunigung verordnen, obwohl wir gerade eigentlich Anderes bräuchten, wird sie nicht gelingen, sondern zu Frust und noch mehr Unruhe führen.



Das feinfühlige Kennenlernen eigener Ressourcen ist aus diesem Grund auch ein essenzieller Baustein in meiner Arbeit als körperorientierter Coach.


Aus Perspektive unseres Nervensystems bedeutet es tendenziell Stress, wenn wir uns auf eine bestimmte Art fühlen, aber uns eigentlich anderes herbeiwünschen. Unsere verkörperte Realität im Moment (z.B. Frust nach einem herausfordernden Arbeitstag) steht dann konträr zu unseren mentalen Ansprüchen, sodass sich infolge ein Druck für uns aufbaut. Dieser legt sich dann wie eine weitere Schicht auf unser Empfinden und erschwert das Loslassen, das wir uns in diesem Moment ja eigentlich sehnlichst wünschen.



Lerne dich kennen, lerne zu Sein


Die Antwort hierauf liegt also unbedingt darin, seine Selbstkenntnis zu erhöhen und sinnvolle Ressourcen-Arbeit vorzunehmen. Erst wenn wir gut spüren können, wie wir uns gerade fühlen, können wir auch angemessen darauf reagieren.


Und hierin liegt schon die ganze Essenz verborgen: gut Spüren, gut Sein. Unser Tun kommt stets an zweiter Stelle. Selbstverständlich haben unsere Handlungen immer einen Einfluss auf uns und unser Umfeld, und können mehr oder weniger geschickt gewählt sein. Doch wirkliche Transformation liegt verborgen im Sein. Wenn wir lernen mit unserem Empfindungen bedingungslos und wohlwollend zu sein, wir unsere individuellen Kapazitäten erhöhen, wir eine Beobachter:innenperspektive einnehmen können - ja dann kann sich druckfrei zeigen und lösen, was eben gerade da ist. Wer seine Empfindungen wirklich sieht und für den Moment voll annehmen kann, der wird bemerken, wie häufig sie sich daraufhin wandeln, und auch, wie viel entspannter die eigenen Perspektiven in diesem Prozess werden.


Zu lernen mit sich selbst bedingungslos zu Sein ist daher eine Investition unbezahlbaren Wertes. Denn hier kann wahre und nachhaltige Transformation geschehen.


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